Kettenbriefe ... (unverlangte Massenmails = Spam).

Es gibt mehrere Varianten:

Pyramiden-Systeme (Schneeball-Systeme, 'Make Money Fast')

Hier werden die Empfänger aufgefordert, einen bestimmten Betrag an den Absender zu zahlen. Sie sollen dafür Informationen bekommen, wie sie das selbst auch mit anderen machen können. Durch die lawinenartige Verbreitung soll man in ein paar Tagen hunderte oder gar tausende von Dollar verdienen und dann immer weiter. Dass das nicht funktionieren kann, wird schnell klar, wenn man sich mal vor Augen hält, welche Teilnehmerzahlen erforderlich werden, wenn man als zehnter in einer solchen Kette noch was verdienen soll.
Angenommen, man verschickt in jeder Ebene 10 Mails, deren Empfänger auch wieder 10 Mails verschicken und so fort (Blindgänger also nicht mitgerechnet), dann ergibt das in Ebene 10 bereits 1010 (10.000.000.000 also 10 Milliarden) Mails! Es wird aber derzeit von nur ca. 100 Mio. Internet-Nutzern weltweit ausgegangen (diese Zahl mag je nach Quelle variieren, die Größenordnung ist entscheidend). Die einzigen, die evtl. profitieren, sitzen in den ersten 3 - 5 Ebenen. Da diese Aktionen schon ein paar Jahre laufen, können Sie kaum erwarten, zu diesen zu gehören (Sie erfahren das aber ohnehin nicht).
Ganz abgesehen davon: Diese Profitorientierten Kettenbriefsysteme sind in Deutschland verboten (nach
§ 6c UWG)!

Gewinnspiele und Ähnliches

Bill Gates schenkt jedem $1000,- oder eine Windows98-CD, Nike verschenkt Sportartikel, Disney World zahlt jedem $5000,- oder eine Alles-Inklusive-Reise nach Disney World und so weiter und so weiter...
Mit ein bisschen gesundem Menschenverstand merkt man gleich, dass das Quatsch ist. Aber, da wird ja (z.B.) gesagt, Microsoft habe ein System entwickelt, das jede weitergeleitete Mail registrieren könne (das '
Microsoft E-Mail Tracking System'), das würde man gerade testen und als Belohnung fürs Mitmachen ... s.o. Das ist natürlich nicht richtig, ein solches System existiert nicht.

Glücksbriefe

Diese an sich harmlos erscheinenden Kettenbriefe stellen durch ihre Zahl und Häufigkeit doch eine Belastung der Netzresourcen und eine Belästigung der meisten Empfänger dar. Es wird wohl kein vernünftiger Mensch ernsthaft annehmen, daß diese Briefe (die es seit Jahrhunderten auch in handschriftlicher Form gibt), irgendeine andere Wirkung als die eben genannte haben. Viele finden es einfach lustig oder meinen, sie würden jemandem damit zumindest eine Freude machen. Tenor: "Schaden kann's ja nicht!"
Einige dieser Glücksbriefe drohen jedoch auch mit ernsten Konsequenzen für den Fall, daß sie nicht weitergeleitet werden. Dies kann abergläubische Menschen durchaus verunsichern; sie leiten sie dann lieber weiter, womit das Ziel wiedermal erreicht wäre.

Tränendrüsen-Briefe

Da sitzt in Florida (oder New York, England, Australien, ...) ein kleines Kind, das bald an Krebs (oder einer anderen Krankheit) sterben wird und sein letzter Wunsch ist es, daß dieser Kettenbrief um die Welt gehen möge (oder es mögen ihm/ihr alle schreiben). Nun macht mal alle schön mit, es ist doch für einen guten Zweck, außerdem bekommt die jeweilige Klinik (oder wer auch immer) von irgendeiner Stiftung (oder sonstwoher) unzählige Dollar (oder Cents) für jede Weiterleitung.
Wieder stellt sich die Frage, wer die Mails eigentlich zählt, wenn sie nicht alle an eine bestimmte Adresse geschickt werden. Wer da an wen Geld zahlt, ist auch nicht immer gesagt und ob das dann auch passiert, weiß man ohnehin nicht. Schließlich könnte ja auch ein Spammer (Werbemailversender) der Urheber der Mail sein, der auf diese Arbeit und Kosten sparende Weise viele gültige E-Mail-Adressen frei Haus bekommt und sie nach Erstverwertung für viel Geld weiterverkaufen kann (ja, solche Menschen gibt es wirklich!).
Auch die vor einigen Jahren durch die Presse gegangene Postkarten-Aktion für ein todkrankes Kind in England war übrigens eine kontraproduktive Aktion, dieses Kind wurde noch lange Zeit später mit Unmengen an Post überhäuft, die es gar nicht haben wollte. Die Idee dazu kam nämlich von jemand anderem.

Es gibt sicher viele tausend kranke Kinder überall auf der Welt, viele von ihnen zum Sterben verurteilt, und einige fänden es vielleicht sogar toll, viele E-Mails zu bekommen. Mit Sicherheit wissen die aber nichts von diesen Aktionen und werden es auch nie erfahren, geschweige denn, dass jemals ein Pfennig für ihre Behandlung dadurch aufgebracht würde.

Lesen Sie hierzu auch die Stellungnahme der American Cancer Society (engl.).

Sinnlose E-Petitionen


In diese Kategorie fallen Kettenbriefaktionen, die dazu aufrufen, sich für oder gegen dies oder jenes einzusetzen. Das mag alles gut gemeint sein und die Ziele der Aktion mögen höchst ehrenwert sein, jedoch gilt hier ganz klar:
Kettenbriefe sind kein adäquates Medium, um seriöse Anliegen zu kommunizieren.
Kettenbriefe ändern nichts.
Niemand, der etwas ändern könnte, nimmt Kettenbriefe ernst oder auch nur zur Kenntnis.