Unterscheidung von Viren nach
Infektionsmethode die sie verwenden oder ob/welche Tarnkappenfunktionen
sie einsetzen.
Bootsektorviren
Die am häufigsten
auftretenden Viren sind Bootsektorviren wie der Form- und der Stoned-Virus.
Solche Viren infizieren die Bootsektoren von Disketten und entweder den MBR
(Master Boot Record bzw. Master-Boot-Partitionssektor) oder den DBR (DOS Boot
Record bzw. DOS-Bootsektor) von Festplatten. Ein Bootsektorvirus vermehrt sich
folgendermaßen:
Eine Diskette mit Daten (vielleicht einigen Textverarbeitungsdateien und einem
Tabellenkalkulationsblatt) ist angekommen. Die Daten sind Bestandteil eines
Projekts, an dem Sie zusammen mit einem Kollegen arbeiten. Ihr Kollege weiß
jedoch nicht, daß sein Computer und damit auch die Diskette, die er Ihnen
zugeschickt hat, mit einem Bootsektorvirus infiziert ist. Sie legen die Diskette
in Laufwerk A: ein und beginnen, die darauf enthaltenen Dateien zu verwenden.
Bis jetzt hat der Virus noch gar nichts gemacht. Bei Feierabend schalten Sie den
Computer aus und gehen nach Hause. Am nächsten Morgen betreten Sie Ihr Büro und
schalten den Computer ein. Die Diskette befindet sich noch in Laufwerk A:, also
versucht der Computer, von dieser Diskette zu starten. Er lädt den ersten Sektor
der Diskette in den Speicher, um den darin enthaltenen Code auszuführen
(normalerweise handelt es sich dabei um ein kleines Programm, das von Microsoft
zum Laden von DOS geschrieben wurde) oder um Ihnen mitzuteilen "Keine
Systemdiskette, bitte drücken Sie eine beliebige Taste, um fortzufahren", falls
er keine DOS-Systemdateien darauf finden kann. Diese Meldung haben Sie schon
tausendmal gesehen, also öffnen Sie die Laufwerksverriegelung und drücken eine
Taste.
Aber diese Diskette ist mit dem Stoned-Virus infiziert, und daher wurde nicht
das Programm von Microsoft, sondern der 1987 in Neuseeland geschriebene (und
deshalb manchmal auch als New Zealand-Virus bezeichnete) Stoned-Virus
ausgeführt. Der Virus installiert sich selbst auf der Festplatte, ersetzt den
MBR und kopiert den Original-MBR an eine andere Stelle der Festplatte.
Wenn Sie von der Festplatte starten, wird der MBR ausgeführt, der jetzt jedoch
nichts anderes als der Stoned-Virus ist. Der Stoned-Virus wird speicherresident,
fängt den Interrupt 13h (Lesen von/Schreiben auf Datenträger) ab und lädt danach
den Original-MBR, und von da ab wird der Startvorgang ganz normal fortgesetzt.
Da jedoch der Interrupt für das Lesen von/Schreiben auf Diskette abgefangen
wurde, wird bei jedem Schreib- oder Lesezugriff auf Laufwerk A: (obwohl Sie
denken, es handle sich um einen Lesezugriff, schreibt jedoch in Wirklichkeit der
Virus auf Diskette) die Diskette untersucht, und wenn sie noch nicht infiziert
ist, wird der Stoned-Virus im Bootsektor installiert. Somit infiziert Ihr
Computer jetzt jede Diskette, die in Laufwerk A: eingelegt wird, und früher oder
später wird eine dieser Disketten an einen Kollegen weitergegeben, und der
Kreislauf beginnt von vorne.
Im Detail unterscheiden sich die verschiedenen Bootsektorviren in ihrer
Arbeitsweise voneinander, aber allen liegt dasselbe Prinzip zugrunde. Sie werden
über die Bootsektoren infizierter Disketten übertragen und können nur auf diesem
Weg weitergegeben werden (ein Bootsektorvirus kann sich beispielsweise nicht
über ein Netzwerk ausbreiten). Eine Infektion kann nur durch den Versuch, von
einer infizierten Diskette zu starten, stattfinden, selbst wenn dieser Versuch
erfolglos verläuft.
Bootsektorviren befallen PCs. Dabei spielt es überhaupt keine Rolle, welches
Betriebssystem verwendet wird oder welche Schutzprogramme installiert sind, denn
zu dem Zeitpunkt, zu dem sich der Bootsektorvirus installiert, werden das
Betriebssystem oder das Schutzprogramm noch gar nicht ausgeführt. Bei einigen
Betriebssystemen allerdings, die nicht auf DOS beruhen, wird zwar der PC
infiziert, kann sich der Virus jedoch nicht auf Disketten kopieren, die danach
eingelegt werden, und sich somit nicht ausbreiten. Er kann jedoch nach wie vor
Schaden anrichten, wie ein Unix-Anwender erstaunt feststellen mußte, als am 6.
März überraschend der Michelangelo-Virus zuschlug.
Die meisten Leute sind vollkommen überrascht, wenn sie erfahren, daß sich ein
Virus auf diese Art verbreitet, worin wohl auch der Grund für die Häufigkeit der
Bootsektorviren zu suchen ist.
Stealth, Tarnkappenfunktion
Makroviren mit Stealtheigenschaften versuchen sich vor der Entdeckung durch den
Anwender zu verbergen, indem sie die sonst für Viren typischen Merkmale
"filtern". So wird z.B. versucht, die Anzeige der Makroliste unter Word zu
manipulieren damit die Makros des Virus dort nicht mehr erscheinen. Das reicht
vom einfachen Blockieren der entsprechenden Word-Funktion, dem Löschen des
entsprechenden Word-Menüeintrages "Extras/Makro" über eine vollständige
Nachbildung des Makrolistenfensters bis hin zu komplizierten Tricks mit Hilfe
von AddIns und anderen Methoden.
Unter Word97 und Excel97 wird beispielsweise versucht, den VBA-Editor zu umgehen oder gleich der komplette Virus aus der Datei gelöscht, falls der Anwender den VBA-Editor aufruft. Aber auch einfachere Tricks wie etwa das Ausschalten des Word-Virenschutzes (was ohne weiteres möglich ist!) werden häufig von den Makroviren eingesetzt.
Polymorph
Polymorphe Makroviren versuchen die Erkennung durch die Antiviren-Programme zu
erschweren, indem sie ihren Programmcode mit jeder Infektion verändern. Eine
einfache Erkennung über Signaturen wird damit je nach Komplexität des Virus
unmöglich. Zum Glück sind durch WordBasic bzw. VBA Grenzen gesetzt, da diese
Programmiersprachen viel zu langsam sind um wirklich komplexe polymorphe Viren
zu programmieren. Die Veränderung des Programmcodes kann durch ein einfaches
Einfügen von Kommentaren erfolgen oder z.B. durch geschicktes Vertauschen von
Befehlen oder ganzer Programmzeilen. Anfangs versuchten die Virenprogrammierer
durch zufällig generierte Makronamen die Antiviren-Programme zu täuschen, diese
Technik wird aber nicht als polymorph angesehen. Beispiele für polymorphe
Makroviren sind "WM/Slow.A", "WM/UglyKid.A", "W97M/Splash.A", "W97M/Class" oder
"W97M/Walker.C".
Anti-heuristisch
Der Virenprogrammierer versucht, durch besonders komplexe und trickreiche
Programmierung eine Erkennung durch Antiviren-Programme zu verhindern, welche
Makros mittels einer Heuristik nach verdächtigen Befehlen durchsuchen.
Dazu gehört z.B. auch das Verstecken des eigentlichen Programmcodes in Dokumentvariablen, Autotexten oder verschlüsselten Strings. Oft erzeugt der Virus dann zur Laufzeit ein neues Makro und fügt den versteckten Programmcode dort ein und führt ihn anschließend aus. Beispiele sind hier "Minimal.K" oder "Target.A".
Resident
Richtig speicherresident wie DOS-Viren können Makroviren nicht sein, allerdings
können sie ähnlich wie bei den DOS-Viren (Interrupts) bestimmte Funktionen des
Anwenderprogramms abfangen und übernehmen. Sehr viele Makroviren für Word
benutzen die Auto-Makros wie "Auto Open" und "Auto Close" um beim Öffnen und
Schließen eines Dokuments aktiv zu werden und weitere Dokumente zu infizieren.
Ebenfalls werden häufig Funktionen wie "Datei Speichern Unter", "Datei Öffnen",
"Extras Makro" oder "Date iDrucken" abgefangen.
Im Prinzip kann so gut wie jedes Ereignis innerhalb von Microsoft Word bzw.
Excel abgefangen werden. Auto-Makros sind allerdings sprachunabhängig und
funktionieren daher mit jeder nationalen Version von Word. System-Makros wie
"Datei Öffnen" lauten in der englischen Version "File Open". Ein Virus der sich
auf solche Makros verläßt, ist daher sprachabhängig.
Shortcut-Aktivierung
Neben bestimmten Makros, die wichtige Funktionen von Word/Excel übernehmen,
können Makroviren auch die Tastaturbelegung ändern. So ist es z.B. möglich die
Leertaste und andere beliebige Tasten mit einem Makro zu verbinden, das
ausgeführt wird sobald der Anwender die betreffende Taste drückt.
"WM/Outlaw" verwendet diese Art der Aktivierung.
Formular-Aktivierung
Formularfelder können mit zwei Makros verknüpft werden, die beim Betreten und
Verlassen des Formularfeldes ausführt werden.
Button-Aktivierung
Die Auswahlleiste mit Knöpfen für bestimmte Funktionen wie etwa "Datei
speichern", "Datei drucken" usw. kann beliebig abgeändert werden. Es möglich,
diese Knöpfe mit bestimmten Makros zu verknüpfen.
AddIn-Infektoren
Diese Makroviren infizieren nicht wie üblich die globale Vorlage "NORMAL.DOT",
sondern erzeugen eine neue Vorlage in die der Virus dann kopiert wird. Damit
werden unter anderen alle "NORMAL.DOT" - Schutzmechanismen umgangen und
zusätzlich fortschrittliche Tarnkappenmethoden möglich. Diese Infektionsmethode
wird z.B. von "WM/Hunter" oder "WM/Eraser" verwendet.
Companion-Infektoren
Companion-Viren infizieren Dokumente nicht direkt und fügen dort keine Makros
ein. Statt dessen erzeugt der Virus eine gleichnamige Datei mit der Dateiendung
".DOT", die den eigentlichen Virus enthält und die mit der ".DOC"-Datei
verknüpft wird.
Öffnet der Anwender das Dokument, bezieht Word automatisch die Makros aus der ".DOT"-Datei.
Diese Art der Infektion ist sehr uneffektiv und kaum verbreitet, da der Anwender
in der Regel nur die ".DOC"-Dateien weiterkopiert und daher den Virus nicht
verbreitet.
Beispiele für Companion-Viren sind etwa der "WM/Dietzel" oder "WM/Birthday".
Direct-Action-Infektioren
Diese Viren infizieren ebenfalls nicht die "NORMAL.DOT"NORMAL.DOT und umgehen
damit zusammenhängende Schutzmechanismen. Sie suchen direkt auf nach weiteren
Dateien, die sie infizieren können. Einige Viren infizieren z.B. jedes Dokument
das der Anwender zuletzt bearbeitet hat (diese Dateien werden in der MRU-Liste
gespeichert), andere durchsuchen die Festplatte einfach nach Dateien mit der
Endung ".DOC".
Viren, die diese Infektionsmethode verwenden sind z.B. "WM/Snickers" oder
"W97M.RatsAss".